22. August 2017

Wir können nicht aufhören …

„Wir können nicht aufhören, von dem zu erzählen,
was wir gesehen und gehört haben.“

(Apostelgeschichte 4,20; Neues Leben – Übersetzung)

Vor etwa zweitausend Jahren müssen sich einmal zwei Männer vor der geistlichen Obrigkeit verantworten. Sie erzählen in der Öffentlichkeit dem ganzen Volk, dass es eine Auferstehung der Toten gebe und berufen sich auf Jesus Christus. Es muss damals eine riesige Menschenansammlung gewesen sein. Denn der Apostel Lukas schreibt, dass viele unter denen, die den Männern zugehört hatten, ihren Worten glaubten und dass die Zahl auf etwa fünftausend erwachsene Männer angestiegen war.

Was wäre los, wenn plötzlich auf dem großen Platz vor der Dresdner Frauenkirche zwei Evangelisten aufkreuzen und ihnen mehrere tausend Männer zuhören würden. Da stünden nicht nur die emanzipierten Frauen der Stadt auf dem Plan sondern auch die Kirchenleitung, die Polizei und natürlich tausende Gaffer.

Die Männer von damals heißen Petrus und Johannes. Sie sind einige Zeit ihres Lebens mit diesem Jesus von Nazareth unterwegs gewesen und haben das getan, wozu er sie beauftragt hatte: Den Menschen seine Worte weiterzusagen und Kranke zu heilen.

Aber um größeren Schaden zu vermeiden, werden beide Ruhestörer vorsichtshalber erst einmal in sicheren Gewahrsam genommen. Von führenden Geistlichen werden sie dann in die Mangel genommen und gefragt, von welcher Institution und in welchem Namen sie denn den Auftrag dazu erhalten hätten.

Na, und wes das Herz voll ist, des fließt der Mund über. Und so spricht der eine von den beiden Männern, Petrus: Wenn ihr uns deswegen verhört, weil hier ein kranker Mensch geheilt worden ist, so sollt ihr folgendes wissen: Der Kranke steht nur deshalb wieder gesund vor euch, weil die Heilung im Namen dieses Jesus von Nazareth geschehen ist, den ihr ans Kreuz geschlagen habt und den Gott von den Toten auferweckt hat. Und dann setzt er noch eins drauf und sagt: „Denn Jesus ist der Stein, den ihr Bauleute verworfen habt, der nun zum Eckstein geworden ist. In ihm ist alle Erlösung! Im ganzen Himmel gibt es keinen anderen Namen, den die Menschen anrufen können, um errettet zu werden.“ – Da bleibt doch der geistlichen Obrigkeit fast die Spucke weg. Denn sie haben ja selbst gesehen – und mit ihnen tausende Männer – wie da ein Mensch vor ihren Augen von seiner Krankheit geheilt worden ist. Sie werden bei sich gedacht haben: Wenn wir versuchen, das zu bestreiten, haben wir das ganze Volk gegen uns. So bleibt ihnen nur eine Möglichkeit. Sie setzen Petrus und Johannes unter Druck und verlangen von ihnen, nie wieder im Namen dieses Jesus zu Menschen zu sprechen. Die Geistlichen haben Angst, dass sich das Gerede von Rettung und von der Auferstehung von den Toten wie ein Lauffeuer ausbreiten könnte.

Jesus ist der Stein des Anstoßes. Millionen Menschen lehnen ihn bis heute ab. Aber Gott hat den, der ans Kreuz genagelt wurde und den er von den Toten auferweckt hat, Christus, zum Eckstein gemacht. Der Eckstein ist in einem Natursteinbauwerk das tragende und damit wichtigste Element. Jesus Christus trägt die gesamte Welt. Und für viele, die damals Petrus und Johannes zugehört haben, ist dieser Jesus Christus zum Eckstein in ihrem Leben geworden. Ihnen ist klar geworden, dass seine Verurteilung, seine Kreuzigung und sein Tod nicht das Letzte sind, sondern die erforderliche Grundlage für einen Neuanfang, für ein neues Leben, ein Leben mit Gott. An die fünftausend Männer haben (bildlich gesprochen) ihre dreckigen Klamotten ausgezogen und sich ein sauberes Gewand überstreifen lassen. Sie haben ihr altes schmutziges Leben gegen ein neues und würdiges Leben mit Jesus eingetauscht. Nicht, dass sich da nicht immer wieder neuer Schmutz ansammeln könnte, aber sie wissen wer sie reinwäscht und entlastet von allem Schmutz, von aller Schuld, von aller menschlicher Belastung im Leben.

Ein Mensch, der erkennen darf, dass ihn nur dieser gekreuzigte und auferstandene Jesus Christus herausretten kann aus aller Not, aus aller Schuld und allem menschlichen Versagen, der kann nicht mehr aufhören, von dem zu erzählen, was er gesehen und gehört hat.

Als ich vor vielen Jahren Kirchnerdienst hatte, kam ein total betrunkener Mann in die Kirche und fiel vor mir wie ein nasser Sack auf den Boden. Erst dachte ich, dass er tot ist, aber dann atmete er wieder und sprach leise: „Ich kann nicht mehr“. Über Freunde von der Organisation „Blaues Kreuz“ (zu Jesu Zeiten waren es Petrus und Johannes) darf dieser alkoholabhängige Mann über Bibellesen und Gebet diesen Jesus Christus kennenlernen und frei werden von seiner Sucht. Er übergibt sein Leben Jesus. Sein Körper war vom Alkohol schon sehr kaputt und immer wieder einmal hat er zu mir gesagt, dass er wohl nicht lange leben wird. So ist es dann auch gekommen. Vor ein paar Wochen hat ihn Jesus zu sich gerufen. Sein Tod ist schmerzhaft für die ganze Familie. Aber dieser alkoholkranke Mensch konnte noch erfahren, wo er einmal hingeht, wenn er von dieser Weltenbühne abtritt. Immer, wenn wir uns einmal trafen, hatte er einen Spruch auf seinen Lippen: „Ja, ich weiß: Jesus!“

„Wir können nicht aufhören, von dem zu erzählen,
was wir gesehen und gehört haben.“

 
Thomas Schneider