18. Oktober 2017

Satanismus

Auszug aus dem Titel „Satanismus“ (PDF-Version)
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Vorwort

Seit Jahren überschlagen sich die Berichterstattungen im In- und Ausland. Eine Sensationsmeldung jagt die andere. Da wird von Schwarzen Messen auf den Friedhöfen, Gräberschändung, rituellem Missbrauch, Tier-, ja sogar Menschenopfern geredet. Ganze Klassen oder gar Schulen sollen von einer unheimlichen Welle ok¬kulten Interesses ergriffen worden sein. Zeitungsüberschriften wie „Immer mehr Jugendliche gehen zum Teufel“ schockieren, ängstigen, rufen Fragen hervor.

Als Pastor einer freikirchlichen Gemeinde kam ich zum ersten Mal mit dem Satanismus Mitte der Achtziger Jahre direkt in Berührung. Jemand hatte die Außenwand unseres Gemeindehauses mit antichristlichen Sprüchen und satanistischen Symbolen verschmiert. Meine Recherchen führten mich bald auf die Spur einer Gruppe von Jugendlichen, die ab und zu in der Teestube der Gemeinde auftauchten. Sie fielen längst durch ihre auffällige Kleidung und ihr herausforderndes Benehmen auf. Ich sprach sie auf ihr Treiben an, und sie überhäuften mich mit Hassbekundungen. Satanisten seien sie und nur in unsere Kirche gekommen, weil sie einen Auftrag hätten, unsere Kirche zu zerstören. Ein vernünftiges Gespräch schien unmöglich. Alarmiert durch dieses Gespräch, schrieb ich den Jugendlichen einen Brief, in dem ich sie auf die Konsequenzen eines Paktes mit dem Satan hinwies. Es dauerte nicht lange, bis zwei völlig schwarz gekleidete junge Männer eines Tages unangemeldet vor meiner Wohnungstür auftauchten. Im Namen Luzifers verlangten sie von mir, sie in die Wohnung zu lassen. Und ohne auf eine Antwort zu warten, drängten sie sich in mein Haus. Ich ging ihnen nach, und als wir im Wohnzimmer angekommen waren, hatte ich mich wieder gefangen, hob meine Hand und befahl ihnen im Namen Jesu Christi, sich zu setzen. Dieser Name versetzte die noch eben so majestätisch erschienenen Herren in eine große Unruhe. Sie wollten wieder gehen, aber ich zwang sie, zu bleiben und den Grund ihres Kommens zu verraten. Schon bekannte Hassbekundungen und persönliche Drohungen folgten. Später riefen mich jede Nacht irgendwelche Störer an und stießen einen Fluch nach dem anderen über mich aus. Meine persönliche Begegnung mit den Satanisten begann.

Viele Jahre sind seither vergangen. Aus dieser ersten Begegnung ist ein Dienst geworden. Denn Menschen, Jung und Alt, die sich zur Satansanbetung bekennen, begegnet man heute überall da, wo man sich mit dem Thema paranormaler Erfahrungen in Vorträgen auseinandersetzt. Man muss nicht erst die Sensationsberichte in der Presse lesen, um zu verstehen, dass Satanismus zu einer festen Größe auf dem Markt religiöser Möglichkeiten in Deutschland geworden ist. Freilich sollte man sich nicht nur auf Grund der Veröffentlichungen in den Boulevardblättern ein Bild über das Phänomen machen, wie Eckhard Türk mit Recht gefordert hat.1 Aber ob es sich hierbei nur um ein gesellschaftliches Randphänomen handelt, wie er es sieht,2 das kann ebenso angezweifelt werden. Die Worte des Begründers der Kirche Satans, Anton Szandor LaVey, „Das ist das Zeitalter des Satans! Der Satan regiert auf der Erde“3 mögen übertrieben pathetisch klingen. Sieht man sich jedoch die rapide Ausbreitung satanischer Kulte in der Welt an, so beginnt man sie ernst zu nehmen. Freilich muss ein solches Ernstnehmen vor allem von einer weitestgehenden realistischen Beurteilung des Phänomens ausgehen. Beides, übertriebener Sensa¬tionismus wie gefährliche Verharmlosung helfen am Ende nicht weiter. Christen sollten sich um die Wahrheit bemühen, weil nur sie am Ende zur Freiheit führen kann (Joh 8,32). Diese Broschüre ist von einem solchen Verlangen, so objektiv wie möglich das Phänomen Satanismus zu beschreiben, getragen.

Doch wie gelangt man zu einem realistischen Bild einer in Geheimnistuerei und unzähligen Geheimcodies operierenden Bewegung, die augenscheinlich keineswegs zentral organisiert ist und deshalb sehr unterschiedlich auftritt? Die Gefahr der Verallgemeinerung ist kaum zu vermeiden. Hierbei habe ich darauf geachtet, nur authentisches Informationsmaterial zur Beurteilung heranzuziehen, und mich prinzipiell von jeder Sensationsberichterstattung fern gehalten (allerdings ohne Gefahr zu laufen, dieses Heft zu einer Quelle für esoterisch-okkulte Veröffentlichungen zu machen), und auch versucht, das sorgfältig selektierte Material „geistlich“ zu deuten. Der Gemeinde Jesu wurde dafür die Gabe der Geisterunterscheidung gegeben. Diese heute leider so rar gewordene Gabe des Heiligen Geistes ist bei der Beurteilung dämonischer Wirklichkeit unerlässlich.

Es ist daher meine Bitte an jeden Christen, der diese Broschüre liest, den HERRN JESUS CHRISTUS um eine solche Gabe der Geisterunterscheidung zu bitten. Und natürlich erst recht dann, wenn einem Begegnungen mit Menschen, die satanischen Inhalten anhängen, zugemutet werden. Schnelle Beurteilungen können zu unzulässigen Verurteilungen von Menschen führen. Das Ziel der christlichen Existenz in dieser Welt kann aber niemals Verurteilung der Welt sein, sondern die Erlösung der Menschen. Auf der anderen Seite sollte ein gläubiger Christ mit heftiger Gegenwehr aus dem Reich der Finsternis rechnen, wenn er versklavte Seelen dem Satan abgewinnen will. Zum einen befiehlt unser HERR den Jüngern, zu zweit auszugehen (niemals allein!). Zum anderen gilt der Befehl bis „an die Hecken und Zäune“. Wir haben einen starken HERRN, der ohne jeden Zweifel stärker ist als der Satan, ja ihn am Kreuz von Golgatha besiegt hat. Aber wer sich als Amateurabenteurer allein auf eigene Faust in einen Satans-Zirkel wagt, hat den biblischen Rahmen weit hinter sich gelassen und begibt sich bewusst in allergrößte Gefahr. Zumal wenn ein solcher Bruder geistlich unerfahren ist oder gar in persönlicher Sünde (Streit, Lüge, moralische Verfehlungen u.ä.) lebt, hat er keine Vollmacht zu solchem Dienst. Der fleischliche oder gar nicht geistlich neuge¬borene Namenschrist würde sich ungeahnten psychischen und physischen Angriffen aussetzen. Die dazu bestimmten Brüder sollten sich in festem Glauben unter die Deckung des Blutes JESU CHRISTI und in den Sieg JESU stellen. Es sollten nur Männer des Gebetes sein, die immer wieder oder noch besser fortwährend in persönlicher Heiligung und Reinigung leben und einen treuen Beterkreis (gerade während des Gespräches) hinter sich haben. Schließlich ermahnt uns unser HERR: „Solche Art fährt nicht aus als nur durch Fasten und Gebet.“ Wenn jemand, der durch das Zeugnis des Wortes Gottes getroffen wurde, aus dem Satanismus aussteigen will, und die Befreiung durch JESUS CHRISTUS sucht, dann ist es unsere Aufgabe, dem Einzelnen (in „christlicher Umgebung“) den Weg zur Befreiung zu zeigen. Persönliches Engagement und Weisheit sind hier notwendig, weil der Hilfesuchende mit Sicherheit von seinen „Sklavenhaltern“ (und das können sehr junge Menschen sein) bedroht oder verfolgt und – wie zahlreiche Berichte von Aussteigern bezeugen – um keinen Preis aus Satans Reich befreit werden darf bzw. soll. Wer sich mit den Satanisten aus missionarischem Interesse beschäftigt, wird vom tiefen Verlangen, diesen verirrten Seelen zu helfen, getragen. Ein solches bewusstes, aufgeklärtes Vorgehen zu ermöglichen – dafür ist dieses Heft geschrieben worden. Es will aufklären und ermutigen, in den Kampf für Menschen zu ziehen, die im Sumpf der Finsternis stecken geblieben sind.

JESUS ist kommen, nun springen die Bande,
Stricke des Todes, die reißen entzwei.
Unser Durchbrecher ist nunmehr vorhanden.
ER, der Sohn Gottes, Er machet recht frei.
Bringet zu Ehren aus Sünden und Schande.
Jesus ist kommen, nun springen die Bande.

JESUS ist kommen, der starke Erlöser,
bricht dem gewappneten Starken ins Haus,
sprenget des Feindes befestigte Schlösser,
führt die Gefangenen siegend heraus.
Fühlst du den Stärkeren, Satan, du Böser?
JESUS ist kommen, der starke Erlöser.

 
I. Was ist und woher kommt Satanismus?

Was ist Satanismus?

Es ist wahrlich nicht einfach, das Phänomen des Satanismus in wenige Sätzen zu fassen. Zu unterschiedlich geben sich die verschiedenen Bewegungen, die diese Bezeichnung für sich beanspruchen. Während die einen eine Anbetung Satans verneinen,4 sehen andere in Satan einen Gott, dem jede Anbetung gebührt. Bob Passantino hat Satanismus wie folgt definiert:

„Moderner Satanismus ist eine Form religiösen Glaubens und Ausdrucks, die sich der Anbetung Satans bedient, wobei Satan als übernatürliche Person, Gottheit, Teufel, eine übernatürliche Macht, eine natürliche Kraft oder auch meistens als das Selbst begriffen wird.“5

Andere glauben, dass man den Satanismus viel enger fassen müsse und nur solche Kreise als satanisch verstehen, die den Satan als wahrnehmbare Realität begreifen und anbeten.6 Klöck¬ner/Tworuschka schreiben: „Als Satanisten im engeren Sinne sind Menschen zu verstehen, die sich ausdrücklich positiv auf Satan als eine individuelle religiöse Instanz beziehen.“7 Die weiter¬gefasste Definition Passantinos erscheint mir jedoch gerechtfertigt, auch wenn es dabei um einen „Satanismus mit und ohne Teufel“8 gehen kann.

Sicher darf man dabei den Satanismus nicht einfach mit anderen okkulten Erscheinungen unserer Tage verwechseln: Heidentum, Götzendienst, Hexenkult oder die New Age Bewegung. Zweifelsohne sind in diesen Bewegungen okkulte Erscheinungen vorhanden, und zum Teil sind sie fest im Okkultismus verankert: sie stellen eine wahre Gefahr satanischer Beinflussung dar. Auch funktionieren sie oft als Vorhöfe für den Satanismus. Zum Satanismus im engeren Sinne gehören sie dagegen nicht. Beim Satanismus geht es um unmittelbare Verehrung Satans, auch wenn Jugendliche, die den Satans-Kult praktizieren, sich oft überhaupt nicht sicher sind, ob Satan in Wirklichkeit existiert. Aber ihr Kult funktioniert, und deshalb gehen sie ihm nach. Nur relativ wenige Satanisten praktizieren ihren Kult deswegen, weil sie bewusst von der Existenz Gottes und des Satans ausgehen und sich nun einmal für den Satan entschieden haben.

Biblisch gesehen ist Satanismus die Anbetung des gefallenen Engels names Luzifer, der hebräisch satanas (Mk 1,13; Lk 22,3), griechisch diabolos (Joh 6,70; 8,44) genannt wird und als Widersacher Gottes und Verführer der Menschen gesehen wird. Er ist der Führer der von Gott abgefallenen Engel (Lk 10,18) und „der Böse“ (Mt 5,37). Wer sich mit dem Satan einlässt und unter seine Kontrolle gerät, steht grundsätzlich in Opposition zu Gott (Eph 2,1-3).

Woher kommt der Satanismus?

Satanismus als organisierte Anbetung des Satans ist eine relativ moderne Erscheinung. Sie baut vor allem auf den anti-religiösen Gefühlen, die mit der Aufklärung ins Leben der europäischen […]